Spieglein-Spieglein; Sabine Straub
Fotodokumentation
Künstlerin, Künstler
Technische Angaben
Werktechnik, Material
Curtain, PUR-silbern, PUR-bronze, Mdf-Platte bwz. Siebdruckplatte, PVC-Folie
Maße
unterschiedlich, 45 x 45 cm
Kurzbeschreibung
Ausstellung in der Galerie Theresien 13, München
Zeitangabe
2008
Inhaltliche Beschreibung
Wir hören, wir lesen »Spieglein-Spieglein«... und sofort bildet sich wie ganz von selbst das Fragment zum Ganzen. Wir sehen eine böse Königin vor uns mit ihrem Zauberspiegel, die Formel sprechend: »Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste in ganzen Land?« Ein Spiegel mit magischer Kraft, der mit einer Formel beschworen, die Wahrheit offenbart und damit eine Folge von Katastrophen auslöst, die letztendlich doch zu einem guten Ende führen. Schneewittchen und die sieben Zwerge, Märchen Nr.53 aus den KHM der Gebrüder Grimm. Ganz im Sinne des Grimmschen Zauberspiegels fordern uns diese Spiegelobjekte heraus sie zu befragen, nach dem, was auch im Märchen das Grundthema ist, nämlich die Frage nach Schönheit und nach Harmonie, aber auch nach deren Gefährdung und Zerbrechlichkeit. »So weiß wie Schnee, so rot wie Blut, so schwarz wie Ebenholz« hat sich die Königin ihre Tochter gewünscht. Sie hat damit sozusagen ein festgelegtes ästhetisches Programm ent- worfen. Sabine Straub ließ sich zunächst von einer klar definierten Ästhetik inspirieren. In ihren Wand-arbeiten mit dem Titel «Landscapes« reflektiert sie Landschaft als vom Menschen geformte und gestaltete Kulturlandschaft. Nun ist die Künstlerin einen Schrittweiter gegan- gen. Nicht mehr die klar definierte Landschaft und die damit verbundene Ästhetik, deren Rhythmus, Farben und Konturen sondern die Auflösung dieser Formen in ihre Grundstrukturen ist Thema dieser neuen Arbeiten. Mit diesem Extrahierungsprozess entstehen nun formale Sequenzen, die in Ihrer Abfolge ein harmonisches Ganzes ergeben. In der Betrachtung der Objekte ist dieser Gleichklang sofort sicht- und spürbar, ja in seinem Rhythmus sogar »hör- bar«. »So weiß wie Schnee« – pure Ästhetik, Reinheit der Formen – damit kommt das Leben zurück in diese zunächst rein formale Harmonie. Und dieses Lebensblut holt die Künstlerin mit Hilfe des Spiegels in ihre Arbeiten. In der Reflexion, der Spiegelung der Umgebung und des Betrachters bleiben die Grundformen in formaler Hinsicht zwar erhalten, werden jedoch durch die gespiegelten Farben, Konturen und Formen »beseelt«. In den gespiegelten Brechungen, Überschneidungen und Schichtungen entstehen je nach dem Standpunkt des Betrachters neue Rhythmen und Räumlichkeiten. So wirkt der Spiegel in der »Beseelung« des Objektes auch als ein »erweitertes Selbst«,in dem sich der Betrachter selbst in ungewöhnlichen Perspektiven wie- derfindet. Und damit sind wir beim »so schwarz wie Ebenholz« angelangt – Ästhetik und Leben brauchen Tiefe, die Ruhe, die Versenkung. Sabine Straubs Wandarbeiten laden im Zusammenspiel von formaler Ästhetik und bewegter Reflexion zur Meditation ein. In der Reflexion der bewegten, oft unruhigen Umwelt bleiben die harmonischen Formen dennoch erhalten, sie bieten dem Betrachter einen Ruhepunkt, ohne ihn jedoch zum Gefangenen seiner Selbstreflexion zu machen (so wie es dem armen Narziss geschehen). Denn immerhin geht trotz der vielen, durch den Spiegel ausgelösten Turbulenzen die Geschichte für Schneewittchen gut aus – sie findet ihren Traumprinzen und wird Königin. (Dr. Christoph Kürzeder, München)
Organisatorischer Rahmen, Eigentümer
Sabine Straub
Kooperationen
Diskussion
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