Nächste Fahrt - Milch und Honig; Thorsten Goldberg

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Fotodokumentation

Ort

Heidenheim-Fußgängerzone, Hauptstraße vor Hausnummer 69, 89522 Heidenheim

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Künstlerin, Künstler

Thorsten Goldberg

Technische Angaben

Werktechnik, Material

Skulptur - Edelstahlmast mit LCD Anzeige, bemalter Edelstahlwindfahne, Übersichtskarte in Edelstahlrahmen und windbetriebener Edelstahluhr mit Zeigern

Maße

Gesamthöhe ca. 600 cm, elektronische Anzeige ca. 180 cm

Kurzbeschreibung

Skulptur, die einer Haltestelle nachempfunden ist, mit elektronischer Anzeigetafel, Uhr, Fahne und Übersichtskarte. Die LCD Anzeige zeigt täglich wechselnde Fahrtziele an, die der Accurata Utopia Tabula, der fiktiven Schlaraffenlandkarte J.B. Homanns aus dem 17 Jahrhundert entnommen sind.

Zeitangabe

Realisierung 2004

Inhaltliche Beschreibung

Am südlichen Ende der Heidenheimer Fußgängerzone, da, wo eine schmale Seitenstraße in die Hauptstraße einmündet und sich ein kleiner Platz bildet, wo sich aufgrund der Nähe zum Schloss Hellenstein alltägliches Leben mit touristischem Ambiente mischt steht neben einem Baum und einigen Sitzgelegenheiten eine Haltestelle. Eine elektronische Anzeigetafel am oberen Ende des Mastes zeigt täglich wechselnde Fahrtziele an, die mit ihren "beschreibenden Namen, die auf verborgene Wünsche und Sehnsüchte hinweisen unschwer als frei erfundene Ortsbezeichnungen zu identifizieren"*1 sind.

Die Fahrtziele "stammen aus der utopischen Weltkarte Accurata Utopia Tabula, die vermutlich J. B. Homann um 1716 gezeichnet hatte. Diese Karte ist in verkleinertem Maßstab weiter unten am Mast angebracht und dient als eine Art Fahrplan für die oben angezeigten Fahrtziele. Homanns Phantasiekarte, die ihrerseits auf dem Buch des kaiserlichen Generals Johann Andreas Schnebelin Erklärung der Wunder = seltzamen Land = Charten Utopiae beruht, fasst sämtliche damals bekannten, aber auch neu erfundenen Vorstellungen eines utopischen Schlaraffenlandes zusammen. Es handelt sich dabei um ein großes Land mit 17 Provinzen und etlichen Inselgruppen und beinahe 2000 Ortsnamen, die per Zufallsgenerator auf der Anzeigentafel der fiktiven Haltestelle erscheinen.

Namen wie Sauvol, Schlaraffenburg, Dublon, Kleiderfürst, Ichmagnit, Dienstfrei, Imluder usw. deuten auf die Utopien, die sich seit dem Mittelalter mit dem Traum vom Paradies verbinden. Die ursprünglich religiöse Idee, das verlorene Paradies zurück zu gewinnen, erscheint hier in profanisierter Form. Dabei beziehen sich die unterschiedlichen Glücksvorstellungen zum Teil direkt auf Nöte und Ängste wie Hunger, Durst, Mangel, Mühsal, Bevormundung, provinzielle Langeweile oder sexuelle Frustrationen, welche die Menschen der Neuzeit plagten."*1

"In dieser vielschichtigen Situation kann man sich vorstellen, dass irgendein Fahrzeug an dem Objekt anhält - es ist lediglich unklar, um welche Art von Fahrzeug es sich handelt - einen Bus, eine Pferdekutsche, eine Fähre, ein alltägliches Transportmittel oder ein touristisches Transportmittel, es könnte ebenso ein Ausgangspunkt für touristische Stadtrundgänge sein. Es ist also funktional, aber Winduhr und Wetterfahne geben ihm einen spielerischen Touch."*2

"Thorsten Goldbergs Haltestelle für eine Fahrt zu Zielen, die nur in den Wunschvorstellungen der Menschen existieren, verbindet so auf raffinierte Weise einen alltäglichen Ort öffentlichen Verkehrs mit jenen Dimensionen des Wünschens, die in unserer Vorstellung auch heute noch mit dem Reisen und besonders mit der Urlaubsreise assoziiert werden. Die Verknüpfung von aktueller Technologie und längst verschollenen Glücksvorstellungen erzeugt dabei eine eigenartige Spannung, welche unsere Glücksvorstellungen sowohl als überhistorische Konstante allgemein-menschlicher Sehnsucht als auch als zeitbezogenes konkretes Wünschen zeigt."*1

Quelle: *1 René Hirner auf www.bildhauersymposion.heidenheim.com

  • 2 Montse Badia Über Milch und Honig in: Katalog Werk 04, Bildhauersymposion Heidenheim

Organisatorischer Rahmen, Eigentümer

Geladener Wettbewerb Werk 04, 2003 des Bildhauersymposion Heidenheim

Eigentümer: Stadt Heidenheim, Ankauf durch das Bildhauersymposion Heidenheim e.V.

Kooperationen

Technische Umsetzung und Planung: Wilfried Wörner, Arch., Heidenheim

Herstellung durch die Werkstätten der Berufsbildung der Voith AG Heidenheim

Herstellung der LED Anzeige durch Fa. Aditech GmbH, Heidenheim

Diskussion

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