Inspektor Berlin; Sibylle Hofter / Christian Hasucha

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Fotodokumentation

Ort

eBay Deutschland

http://www.ebay.de

Künstlerin, Künstler

Sibylle Hofter / Christian Hasucha

Technische Angaben

Werktechnik, Material

Kommunikationsprojekt bei eBay

Maße

Kurzbeschreibung

Bei eBay wird ein Shop eröffnet, der selbst Angebote einstellt. Die Produkte bestehen nicht aus objekthaften Kunstwerken, sondern aus der Vermittlung von Ereignissen. Angeboten werden beispielsweise Anleitungen, Ideenskizzen und Alltagserscheinungen. Beteiligte an diesem Projekt sind mehrere Künstler, die Angebote erstellen. Sie erscheinen bei Ebay nicht mit Klar-, sondern mit Decknamen.

Text: Schirin Kretschmann

Zeitangabe

Beginn: Mai 2003, inzwischen abgeschlossen

Inhaltliche Beschreibung

Kommunikationsprojekt bei eBay

In den letzten Jahren ist das Versteigerungsforum Ebay zu einer Internet-Plattform geworden, der sich viele Millionen Menschen allein in Deutschland kontinuierlich bedienen. Das Projekt Inspektor Berlin ist ein Versuch, mit der Sprache des Mediums (eBay) diese neu entstandene Realität zu reflektieren. Inspektor Berlin meldet einen sogenannten shop bein eBay an und stellt selber Angebote ein. Es bedient sich der vorgefundenen Infrastruktur, um Ebay-Publikum und Kunstpublikum, das u.a. per Postkarte informiert wird, zu erreichen.

Inspektor Berlin bietet Realisierungseinheiten zu niedrigen Einstiegsgeboten an. Kernprodukte werden Anleitungen sein. Sie ermöglichen dem Käufer, künstlerische Ideen oder Methoden, die in den Angeboten skizziert werden, in die Tat umzusetzen. Das, was entsteht, wenn der Käufer diese realisiert, sind keine Kunstwerke, sondern Repliken für die private Anwendung. Die Surfer/Besucher, die sich per email melden und Stellung zu dem Projekt beziehen, haben ebensoviel Gewicht für das Projekt wie die, die sich auf das Bieterritual einlassen. Wichtig ist, dass die Einstiegsgebote stets so niedrig bleiben, das nicht der Eindruck aufkommen kann, es handele sich doch um eine Kunstverkaufsveranstaltung. Wenn es gut läuft, erfahren alle Seiten etwas über den bildnerischen Reichtum dieser Plattform. Dabei wird es voraussichtlich um analytische als auch um prozessual angelegte Angebote geben. Das lässt sich aus den bisherigen Arbeiten von Hasucha und Hofter ableiten.

Inspektor Berlin lädt alle interessierten Berliner Internet-Nutzer ein, Vorschläge zu senden. Die Betreiber wählen geeignete Angebote aus und präsentieren sie über eBay. Inspektor Berlin wird weit über Berlin hinaus wahrgenommen, es ist ein shop mit prototypischem Charakter. Später könnten Inspektor Bremen und Inspektor Birmingham etc. hinzukommen

Ausführung

Inspektor Berlin ist keine Vermarktungsplattform für Kunstwerke. Betrachtet man in unserem ebay-Shop einen Posten, bekommt man die zu Grunde liegende Idee bereits im Angebot skizziert. Der Meistbietende erwirbt dann das Material, die Veranschaulichungen, Informationen oder Konzepte, durch die er die Idee in einer willkürlich gewählten Umgebung realisieren kann.

Es entsteht dabei kein Kunstwerk. Eine Arbeit kann nur dann Kunstwerk sein, wenn der Anbieter die Realisierung der Arbeit autorisiert. Die implizit vergebenen Lizenzen zur Herstellung der Werks-Repliken dürfen nicht unter fremdem Namen und nur im privaten Rahmen zum Einsatz kommen. Jegliche Form kommerzieller (auch nicht-kommerziell werbender) Anwendung ist damit im strengen Sinne ausgeschlossen. Sie kann in Einzelfällen gesondert verhandelt werden.

Der Startpreis sollte in der Regel bei 1€ liegen. Wenn Materialkosten entstehen, darf der Anbieter seinen Startpreis entsprechend erhöhen. Daraus ergibt sich, dass er genau überlegen muss, welche Angebote er für die voraussichtlich sehr geringen Summen zur Verfügung stellen kann. In Einzelfällen können Materialzuschüsse gewährt werden.

Permanent werden mind. 20 Angebote im shop Inspektor Berlin sein. Sie dürfen maximal 3 x hintereinander = 30 Tage oder mit längeren Abständen insges. 60 Tage im Netz stehen. Im shop Inspektor Berlin, den man in der Regel erst findet, wenn einem die Angebote begegnet sind, stellen wir das Projekt vor und geben einen Überblick über vergangene Versteigerungen. Sobald die finanzielle Ausstattung es erlaubt, werden die Posten zweisprachig (deutsch / engl.) angeboten.

Unser Publikum wird sich aus zwei unterschiedlichen Gruppen zusammensetzen: Zielgerichtetes Kunstpublikum und eBay-Surfer, in deren Suchergebnissen wir auftauchen. Sind unsere Angebote interessant, haben sie auch für zufällig anreisende ebay-Surfer eine Art von Attraktivität. Falls Resonanz ausschließlich aus einer der beiden Gruppen kommt, machen wir etwas falsch.

Frühestens nach einem halben Jahr Laufzeit werden die entstandenen Realisierungseinheiten des Projektes in Form einer Broschüre, besser noch als Buch dokumentiert.

Schlussbemerkung: Phänomen – eBay

Das Projekt basiert auf der Überzeugung, dass man eBay als einen riesigen Pool kommunikativer Äußerungen von Menschen begreifen kann. Sich hier einzumischen und eigene Gestaltungsformen zu finden, ist das Ziel von Inspektor Berlin.

Auf der Basis des Anbietens und Erwerbens von Waren, die der potentielle Käufer nicht in Augenschein nehmen kann, hat sich eine eigene Verständigungsform gebildet, ein Tableau menschlicher Äußerungsmöglichkeiten in Bild- und Schriftsprache, gespiegelt in einem genau definierten Rahmenwerk.

Die Vorgaben sind klar: Eine Person bietet einen Gegenstand zur Versteigerung an. Zur Veranschaulichung benutzt sie den vorgegebenen Rahmen schriftlicher Beschreibung und selbstgefertigter Fotografien. Zunächst sind beide Beschreibungsformen um Sachlichkeit bemüht. Aber es stellt sich heraus, dass kaum ein privater Anbieter sich der Offenbarung seiner Individualität entziehen kann. Aus Laminatböden, Ecken von Couchtischen und Polstern von Ledersofas, die den gezeigten Gegenstand umgeben, ahnen wir seinen Lebensraum. Hinzu kommen die aus der Alltagsfotografie bekannten Eigenheiten der Aufnahmetechnik (Blitz, kleines Objekt - viel Umgebung, etc.). Die schriftlichen Beschreibungen geraten manchmal zu kleinen Berichten, wie es den angebotenen Gegenständen beim Noch-Besitzer ergangen ist, enthalten Erklärungen, warum ein Gegenstand gebraucht fast wie neu und dennoch gut ist. Das System funktioniert auf der Basis der Bewertung, und der Anbieter braucht gute Bewertung, also muss er sich für die Beschreibung der Nachteile, die nach Zustellung der Ware offenkundig werden, etwas einfallen lassen.

Ein komplettes Angebot bildet eine ästhetische Figur aus Text und Bild, ggf. werden die Namen des Anbieters und des Höchstbietenden Teil des Ensembles (z.B. Mausikätzchen und corsavectra10).

Text: Sibylle Hofter und Christian Hasucha, Projektbeschreibung "Inspektor Berlin"

Organisatorischer Rahmen, Eigentümer

Das Projekt „Inspektor Berlin“ wurde 2003 von Christian Hasucha und Sibylle Hofter gegründet, parallel dazu gründete Kathrin Kur das Projekt „Inspector London“. Beide Projekte sind inzwischen abgeschlossen.

Kooperationen

Klarnamen der Anbieter: Christian Hasucha, Renate Herter, Sibylle Hofter, Kathrin Kur, Stephan Kurr, William Seeto, Walter Siegfried, Klaus Tröller

Diskussion

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