Auf dem Hinweg; Anne Lorenz

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Fotodokumentation

Ort

Aigen Schlägl, 4160 Aigen, Österreich

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Künstlerin, Künstler

Anne Lorenz

Technische Angaben

Werktechnik, Material

134 PerformerInnen, diverse Materialien

Maße

1-stündiger Spaziergang um den Ortskern.

Kurzbeschreibung

Die BesucherInnen wurden entlang einer vorgegebenen Route um den Ortskern geführt. Startpunkt war die Kirche, Endpunkt der Marktplatz. Man ging in gemächlichem Tempo vorbei an 140 stummen PerformerInnen, die sich ständig wiederholende Bewegungsloops ausführten. Die Hintergründe für die Aktionen wurden zum Teil verändert, zum Teil so belassen, wie sie aufgefunden wurden.

Zeitangabe

Geführte Rundgänge am 17./18. und 24./25. Juni 2005

Inhaltliche Beschreibung

„Wir stehen vor der Aigner Kirche, plötzlich laufen Kinder aus der Kirche heraus, hinaus auf die Hauptstraße. Sie führen uns ein kurzes Stück weiter und schon wird unsere Umgebung, die wir so gut zu kennen glauben, etwas ungewohnt, denn von da oben lässt eine Frau die Federn aus dem Bettzeug schweben; Und dort ist jemand ganz in ein wächsernes Buch vertieft und schließlich kommt ein Einkäufer mit einem ganzen Korb voll Flesserln, einem typischen Gebäck, aus der Bäckerei. Auch er kümmert sich nicht um die Menge, verfolgt nur stumm sein Ziel. Aigen ist heute irgendwie anders. Wir werden auf den Straßen und Gehsteigen, in den Häusern und Garagen noch viele Bilder und völlig unterschiedliche Szenen erleben. Anne Lorenz hat mit den EinwohnerInnen von Aigen eine umfassende Live-Performance geschaffen, die den Alltag im Ort zum Thema hat.

Hundertvierunddreißig Darsteller zeigen auf dem Rundgang in zweiundvierzig Stationen viele alltägliche Situationen, aber auch skurrile, witzige oder irritierende Interpretationen unserer geordneten Verhältnisse, als Loops choreografiert. Je ähnlicher sich uns die einzelnen Tage präsentieren, desto mehr leben wir in der Geborgenheit unserer Gewohnheiten – wir leben in geordneten Verhältnissen und somit in Sicherheit. Doch diese Sicherheit ist nur scheinbar: Je genauer wir uns einem bestimmten Loop unterordnen, desto kleiner mag der Anlass sein, der in der Lage ist uns komplett aus der Bahn zu werfen. Der Loop wird dann zur gewaltigen Zentrifuge. Loops können lustig sein („The same procedure as every year, James“), aber auch tragisch: Wenn beispielsweise krankhafte Angewohnheiten (vom Putzfimmel bis zur Gewalt) ins tägliche Loop übernommen – und durch diese Einbettung sozusagen gesellschaftsfähig werden. Lorenz bricht das choreografische Muster der Loops deshalb an manchen Stellen bewußt – weil einfach ein Leben in derartig geordneten Verhältnissen unvorstellbar, ja beschämend wäre. Auch das inszenierte Ortsportrait, das sich durch die Form des Rundgangs natürlich hervorragend als ganz großer Loop eignen könnte, wird unterbrochen – Anne Lorenz stoppt in ihrer Szenografie das Karussel, kurz bevor es in eine weitere Runde gehen könnte: Der Hinweg endet am Marktplatz, also wenige Meter vor seinem Ausgangspunkt. Das große Loop ist nicht geschlossen, morgen kann anders werden als heute, morgen kann viel passieren. Morgen ist ein neuer Tag, ein ganz neuer Tag.

Quelle: Christoph Stantejsky (Regisseur, Grafiker, Mitwirkender); Ausschnitte aus Katalog: Festival Der Regionen 05_Herausgeber: Peter Arlt & Martin Fritz, Linz/A 2005



Organisatorischer Rahmen, Eigentümer

Auftraggeber: Festival der Regionen 05 (internationaler Wettbewerb)

Eigentümerin: Anne Lorenz

Kooperationen

Choreografie und Einstudierung Tom Baert, Antwerpen/B

Produktionsleitung Brigitte Schiffner, Aigen/A

Kamera & Videoschnitt Thomas Karrer, Trogen/CH

Diskussion

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