Übergänge: Unterschied zwischen den Versionen

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1996 lobte die Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen, Verkehr (heute Senatsverwaltung für Stadtentwicklung) in Zusammenarbeit mit den Bezirksämtern Friedrichshain, Kreuzberg, Mitte, Neukölln, Prenzlauer Berg, Tiergarten, Treptow und Wedding einen offenen, anonymen und einstufigen künstlerischen Wettbewerb zur Markierung der ehemaligen Grenzübergänge im Stadtraum Berlins aus. Anlass des Wettbewerbes war sowohl die historische Verantwortung gegenüber der internationalen Öffentlichkeit als auch gegenüber den Bewohner Berlins, den ehemaligen Verlauf der 43 km langen, kontinuierlich aus dem Stadtbild verschwindenden Mauer an ihren Übergängen im Stadtbild visuell erlebbar zu machen, an ihn zu erinnern und zu gedenken.
  
'''Ziel2 der Herbert-Gerisch-Stiftung ist es, die historischen Denkmäler Villa Wachholtz (1903) und den Garten des Landschaftsarchitekten Harry Maasz (1924-1926) zu erhalten und mit zeitgenössischer Kunst in Kontakt zu bringen.'''  Es ist zentrales Anliegen, die Sammlung der Kunst im Außenraum auszubauen und wechselnde Ausstellungen skulpturaler Werke im Parkraum zu präsentieren. Zugleich verfügt die Stiftung über etwa 400 qm Ausstellungsfläche, die sich auf Gerisch-Galerie und Villa Wachholtz verteilen. Auch hier wird es regelmäßig wechselnde Ausstellungen geben, die Bestand und Programmatik der Skulpturensammlung ergänzen oder in Form von Gegenbildern kommentieren.
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Für die sieben innerstädtischen Übergänge – durch seine Sonderstellung im Stadtzentrum war nur der Übergang Friedrichstraße ausgenommen – sollten 35 eingeladene Berliner Künstlerinnen und Künstler aus Ost und West Vorschläge einreichen, die sich mit dem Thema „Übergang“ in seiner Vielschichtigkeit auseinandersetzen. Wie können die Übergänge, die in der wiedervereinigten Stadt immer weniger sichtbar sind, durch künstlerische Arbeiten erlebbar gemacht und somit der Trennung Berlins gedacht werden? Wie kann der ehemalige Verlauf des „Eisernen Vorhangs“ an den Stellen seiner Durchlässigkeit visuell erinnert werden?
  
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Seitens des Auslobers war das Budget für das einzelne künstlerische Projekt auf 130.000 DM begrenzt. Die Jury unter dem Vorsitz des Berliner Künstlers Wolfgang Rüppel entschied sich unter den 32 eingesandten Arbeiten für folgende Entwürfe:
  
'''Skulpturenpark – Tradition und Neudenken:''' Warum stellen wir Skulpturen in den Naturraum und was geschieht mit diesem dabei? Es war sicher eines der folgenschwersten Neuerungen der Präsentation moderner Kunst, dass diese seit den 1950er Jahren frei von funktionellen oder repräsentativen Ansprüchen in die Landschaft gesetzt wurde. Hier sollte die Versöhnung des als gegensätzlich verstandenen Verhältnisses von Kunst und Natur erwirkt werden. Deren harmonische Einheit, in der sich der Mensch aufgehoben fühlen darf, ist das große Versprechen der Skulpturenparks jener Zeit. Doch im Moment ihrer Betrachtung wird Natur zur Landschaft, zum historisch veränderbaren Bild von Natur. So lassen uns Umweltzerstörung, technische Überformungen und künstliche Welten heute immer skeptischer auf die für ursprünglich gehaltene Natur blicken. Die Sicht auf deren Reste entpuppt sich als Sehnsucht nach Idylle. Entsprechend sind Naturbilder heutiger Künstler meist als Produkte kultureller Überformung erkennbar, als ästhetisch konstruierte Spiegelbilder gesellschaftlich bestimmter Vorstellungen von Natur. Herausragendes Beispiel hierfür bildet die neue Parkeingrenzung des Gerisch-Skulpturenparks von Olaf Nicolai, in der das Naturhafte auf das ornamentale Blumenmuster einer Wohnzimmergardine reduziert wurde. Natur ist hier zum klischeehaften Ornament erstarrt, zum spiegelnden Fenster. Idyllisch gelegen entlang des Flüsschens Schwale, ist dies die besondere Herausforderung des Gerisch-Skulpturenparks: Die Kunst auf ihr Verhältnis zur Natur zu befragen und darin enthaltene Vorstellungen von Idylle aufzuspüren – oftmals geprägt von deren tausendfach reproduzierten Abziehbildern; demzufolge die künstlerische Untersuchung jenes sprichwörtlichen antiken Arkadiens, in dem der römische Dichter Vergil bereits 40 v. Chr. das sorgenfreie Zusammenleben von Mensch und Natur verortet. Die Spanne der Naturbilder im Gerisch-Park reicht von den jugendstilig floralen Schnitzereien der 1904 von Hans Schnittger erbauten Villa Ströhmer/Wachholtz oder dem 20 Jahre später entstandenen, klare Landschaftsräume stiftenden Harry Maasz-Garten über die sorgsam in den Landschaftspark hinter der Gerisch-Villa integrierten, auch politisch zu verstehen - den Naturvisionen beispielsweise von Magdalena  Abakanowicz, Ian Hamilton Finlay, Anne und Patrick Poirier bis hin zu den jüngsten künstlerischen Projekten von Olaf Nicolai, Bogomir Ecker oder Stefan Sous. Die Gerisch-Stiftung sieht die Untersuchung der künstlerischen Bilder von Arkadien als zentrale Aufgabe für einen zukunftsweisenden Skulpturenpark.
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Susanne Ahner, „Übergang zur Untergrundbahn“, U-Bahn-Tunnel, U8, U6:. Im Tunnel der U-Bahnlinien U6 und U8 sind reflektierende Worte mit der Präposition ”über” angebracht und markieren neben dem originalen weißen Grenzstrich die vier früheren Grenzübergänge. Die beiden westlichen U-Bahnlinien U6 und U8 unterquerten fahrplanmäßig das Territorium der DDR. Bilder und Informationen zur damaligen Situation und die vier Wortbilder der 69 Schilder enthält die Broschüre “übergang” als ”oberirdischer” Teil der Arbeit.
  
Martin Henatsch, Künstlerischer Leiter der  
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Gabriele Basch, „Wahre Geschichten“, ehemaliger Grenzübergang Invalidenstraße: Auf den Gehwegen der Sandkrugbrücke ist ein Mosaik aus Zeichen und Logos aus der DDR und der BRD eingelassen, die pixelartig ineinander übergehen und eine ideele Ganzheit der Zeichenwelt repräsentieren sollen.
Herbert-Gerisch-Stiftung
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Thorsten Goldberg, „Stein, Papier, Schere“, ehemaliger Grenzübergang Oberbaumbrücke: An den Trägern der Brücke sind zwei Leuchtkästen installiert, die von der Fahrbahn aus zu sehen sind. Rote, gelbe und blaue Neonlampen, lassen mit Beginn der Dämmerung zwei Hände aufleuchten, die abwechselnd Figuren des Kinderspiels „Stein – Papier – Schere“ zeigen. Erlebbar sind zwei gegenüberstehende Positionen, deren Bewegung per Zufallsgenerator gesteuert werden. Erinnert werden sowohl Entscheidungsfindungen als auch Begegnungen zwischen Menschen, die in ihrem Ablauf durch den Zufall bestimmt sind.
  
'''Arbeiten (Auswahl):'''
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Heike Ponwitz, „Übergang – Nähe und Distanz“, ehemaliger Grenzübergang Sonnenallee: auf  der Höhe des ehemaligen Grenzverlaufs sind zwei Fernrohre installiert, auf deren Linse das Wort „Übergang“ geritzt ist und sowohl Sehnsucht nach Ferne als auch Überwachung symbolisieren soll.
  
[[Annie; Olaf Nicolai]]
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Karla Sachse, „Kaninchenfeld“, ehemaliger Grenzübergang Chausseestraße: In die Fahrbahn und in den Asphalt zwischen Liesenstraße und Wöhlertstraße sind 120 lebensgroße Kaninchensilhouetten aus Bronze eingelassen, als Symbol für die „friedliche Unterwanderung“ der Grenze.
  
[[Heliport Gerisch-Park; Res Ingold]]
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Frank Thiel, „ohne Titel“, ehemaliger Grenzübergang Checkpoint Charlie: An der Kreuzung Zimmerstraße/ Friedrichstraße ist ein weithin sichtbarer Doppelleuchtkasten installiert, der Fotoporträts eines US-amerikanischen und eines russischen Soldaten zeigt, als Erinnerung an die alliierte Militärpräsenz.
  
[[Autokino; Stefan Sous]]
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Künstlerduo (e.) Twin Gabriel, „Mind the Gap“, ehemaliger Grenzübergang Bornholmer Brücke (ursprünglich entworfen für den Übergang Oberbaumbrücke): Vor dem Eingang der S-Bahnstation Bornholmer Strasse steht ein rotes Kunsttoffsofa, aus dessen Lehne in regelmäßigen Abständen das Wort „Wahnsinn“ ertönt.
  
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Eine gesellschaftliche Verantwortung für die Vermittlung von historischen Ereignissen im Stadtraum der gesamtdeutschen Bundeshauptstadt und eine Relevanz des Wettbewerbs ist bis heute unumstritten, nicht nur aufgrund der ungetrübten Nachfrage um das Wissen um die Orte der jüngsten deutschen Vergangenheit.
  
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Dennoch war eine Umsetzung der ausgewählten Arbeiten aufgrund von Haushaltssperren lange unsicher. Schließlich konnten bis zum Jahre 1999 alle Arbeiten realisiert werden, angefangen im Jahre 1997 mit der Arbeit „Stein, Papier, Schere“ von Thorsten Goldberg am ehemaligen Grenzübergang Oberbaumbrücke.
  
'''Öffnungszeiten:'''
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Die Arbeiten weisen ein breites Spektrum an zeitgenössischen künstlerischen Mitteln, Strategien und Materialien auf, die neue Formen der Auseinanderssetzung mit den historischen und zeitgeschichtlichen Ereignissen erproben. Als Denkmal wahrgenommen werden sie nicht im landläufigen Sinne; durch die Verwendung von Medien und Materialien aus der Alltagswelt des Betrachters ermöglichen sie einen Umgang mit Erinnerung und Gedenken, der das Heute nicht vom Gestern trennt. Geschichte wird nicht als etwas Abgeschlossenes und Erinnerung als etwas aktuell Stattfindendes wahrnehmbar gemacht. Gedenken entsteht, indem jede Begegnung mit dem Betrachter zu einer Aktualisierung der Inhalte und Fragen führen kann, die die Arbeiten thematisieren.
 
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April bis September
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Mittwoch bis Freitag von 11.00 bis 18.00 Uhr
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Samstag und Sonntag von 11.00 bis 19.00 Uhr
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Oktober bis März
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Donnerstag bis Sonntag von 11.00 bis 18.00 Uhr
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Führungen auf Anfrage: Telefon 0 43 21/55 512–0 oder 29 232–0
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www.gerisch-stiftung.de
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Herbert-Gerisch-Stiftung
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Brachenfelder Straße 69–71
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24536 Neumünster
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Telefon 0 43 21/55 512–0
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Fax 0 43 21/55 52 11
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kontakt@gerisch-stiftung.de
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Betrachtet man die Bedeutung der Standorte heute aus touristischer und städtebaulicher Sicht, so werden große Unterschiede in der Wahrnehmung und Wirksamkeit der Arbeiten deutlich. Die Arbeit Frank Thiels am touristisch hoch frequentierten Checkpoint Charlie wird verstärkt wahrgenommen, auch durch die Wahl des künstlerischen Mittels des Leuchtkastens. Andere Arbeiten stehen an weniger frequentierten Orten oder sind an sich weniger auf Fernsicht angelegt. Einige Arbeiten sind heute in sehr schlechtem Zustand. Sie werden einer interessierten Öffentlichkeit nicht adäquat vermittelt, noch untereinander vernetzt dargestellt, so vermitteln die an den Arbeiten angebrachten Hinweisschilder zwar die einzelne Arbeit, eine Darstellung des Gesamtzusammenhangs fehlt jedoch an dieser Stelle. Auch ist keine eigene Publikation verfügbar. Ob die Potenziale der Arbeiten ausreichend genutzt sind, wenn ein Desinteresse der Vermittlung und ein Ausbleiben der Erhaltung besteht, ist fraglich. Dem ursprünglichen Anspruch des Wettbewerbs, neue Formen der künstlerischen Denkmalsetzung zu entwickeln, kann nur gerecht werden, wenn gleichzeitig eine angemessene Vermittlung stattfindet.
  
  

Version vom 1. April 2008, 10:21 Uhr

Fotodokumentation


1996 lobte die Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen, Verkehr (heute Senatsverwaltung für Stadtentwicklung) in Zusammenarbeit mit den Bezirksämtern Friedrichshain, Kreuzberg, Mitte, Neukölln, Prenzlauer Berg, Tiergarten, Treptow und Wedding einen offenen, anonymen und einstufigen künstlerischen Wettbewerb zur Markierung der ehemaligen Grenzübergänge im Stadtraum Berlins aus. Anlass des Wettbewerbes war sowohl die historische Verantwortung gegenüber der internationalen Öffentlichkeit als auch gegenüber den Bewohner Berlins, den ehemaligen Verlauf der 43 km langen, kontinuierlich aus dem Stadtbild verschwindenden Mauer an ihren Übergängen im Stadtbild visuell erlebbar zu machen, an ihn zu erinnern und zu gedenken.

Für die sieben innerstädtischen Übergänge – durch seine Sonderstellung im Stadtzentrum war nur der Übergang Friedrichstraße ausgenommen – sollten 35 eingeladene Berliner Künstlerinnen und Künstler aus Ost und West Vorschläge einreichen, die sich mit dem Thema „Übergang“ in seiner Vielschichtigkeit auseinandersetzen. Wie können die Übergänge, die in der wiedervereinigten Stadt immer weniger sichtbar sind, durch künstlerische Arbeiten erlebbar gemacht und somit der Trennung Berlins gedacht werden? Wie kann der ehemalige Verlauf des „Eisernen Vorhangs“ an den Stellen seiner Durchlässigkeit visuell erinnert werden?

Seitens des Auslobers war das Budget für das einzelne künstlerische Projekt auf 130.000 DM begrenzt. Die Jury unter dem Vorsitz des Berliner Künstlers Wolfgang Rüppel entschied sich unter den 32 eingesandten Arbeiten für folgende Entwürfe:

Susanne Ahner, „Übergang zur Untergrundbahn“, U-Bahn-Tunnel, U8, U6:. Im Tunnel der U-Bahnlinien U6 und U8 sind reflektierende Worte mit der Präposition ”über” angebracht und markieren neben dem originalen weißen Grenzstrich die vier früheren Grenzübergänge. Die beiden westlichen U-Bahnlinien U6 und U8 unterquerten fahrplanmäßig das Territorium der DDR. Bilder und Informationen zur damaligen Situation und die vier Wortbilder der 69 Schilder enthält die Broschüre “übergang” als ”oberirdischer” Teil der Arbeit.

Gabriele Basch, „Wahre Geschichten“, ehemaliger Grenzübergang Invalidenstraße: Auf den Gehwegen der Sandkrugbrücke ist ein Mosaik aus Zeichen und Logos aus der DDR und der BRD eingelassen, die pixelartig ineinander übergehen und eine ideele Ganzheit der Zeichenwelt repräsentieren sollen.

Thorsten Goldberg, „Stein, Papier, Schere“, ehemaliger Grenzübergang Oberbaumbrücke: An den Trägern der Brücke sind zwei Leuchtkästen installiert, die von der Fahrbahn aus zu sehen sind. Rote, gelbe und blaue Neonlampen, lassen mit Beginn der Dämmerung zwei Hände aufleuchten, die abwechselnd Figuren des Kinderspiels „Stein – Papier – Schere“ zeigen. Erlebbar sind zwei gegenüberstehende Positionen, deren Bewegung per Zufallsgenerator gesteuert werden. Erinnert werden sowohl Entscheidungsfindungen als auch Begegnungen zwischen Menschen, die in ihrem Ablauf durch den Zufall bestimmt sind.

Heike Ponwitz, „Übergang – Nähe und Distanz“, ehemaliger Grenzübergang Sonnenallee: auf der Höhe des ehemaligen Grenzverlaufs sind zwei Fernrohre installiert, auf deren Linse das Wort „Übergang“ geritzt ist und sowohl Sehnsucht nach Ferne als auch Überwachung symbolisieren soll.

Karla Sachse, „Kaninchenfeld“, ehemaliger Grenzübergang Chausseestraße: In die Fahrbahn und in den Asphalt zwischen Liesenstraße und Wöhlertstraße sind 120 lebensgroße Kaninchensilhouetten aus Bronze eingelassen, als Symbol für die „friedliche Unterwanderung“ der Grenze.

Frank Thiel, „ohne Titel“, ehemaliger Grenzübergang Checkpoint Charlie: An der Kreuzung Zimmerstraße/ Friedrichstraße ist ein weithin sichtbarer Doppelleuchtkasten installiert, der Fotoporträts eines US-amerikanischen und eines russischen Soldaten zeigt, als Erinnerung an die alliierte Militärpräsenz.

Künstlerduo (e.) Twin Gabriel, „Mind the Gap“, ehemaliger Grenzübergang Bornholmer Brücke (ursprünglich entworfen für den Übergang Oberbaumbrücke): Vor dem Eingang der S-Bahnstation Bornholmer Strasse steht ein rotes Kunsttoffsofa, aus dessen Lehne in regelmäßigen Abständen das Wort „Wahnsinn“ ertönt.

Eine gesellschaftliche Verantwortung für die Vermittlung von historischen Ereignissen im Stadtraum der gesamtdeutschen Bundeshauptstadt und eine Relevanz des Wettbewerbs ist bis heute unumstritten, nicht nur aufgrund der ungetrübten Nachfrage um das Wissen um die Orte der jüngsten deutschen Vergangenheit.

Dennoch war eine Umsetzung der ausgewählten Arbeiten aufgrund von Haushaltssperren lange unsicher. Schließlich konnten bis zum Jahre 1999 alle Arbeiten realisiert werden, angefangen im Jahre 1997 mit der Arbeit „Stein, Papier, Schere“ von Thorsten Goldberg am ehemaligen Grenzübergang Oberbaumbrücke.

Die Arbeiten weisen ein breites Spektrum an zeitgenössischen künstlerischen Mitteln, Strategien und Materialien auf, die neue Formen der Auseinanderssetzung mit den historischen und zeitgeschichtlichen Ereignissen erproben. Als Denkmal wahrgenommen werden sie nicht im landläufigen Sinne; durch die Verwendung von Medien und Materialien aus der Alltagswelt des Betrachters ermöglichen sie einen Umgang mit Erinnerung und Gedenken, der das Heute nicht vom Gestern trennt. Geschichte wird nicht als etwas Abgeschlossenes und Erinnerung als etwas aktuell Stattfindendes wahrnehmbar gemacht. Gedenken entsteht, indem jede Begegnung mit dem Betrachter zu einer Aktualisierung der Inhalte und Fragen führen kann, die die Arbeiten thematisieren.

Betrachtet man die Bedeutung der Standorte heute aus touristischer und städtebaulicher Sicht, so werden große Unterschiede in der Wahrnehmung und Wirksamkeit der Arbeiten deutlich. Die Arbeit Frank Thiels am touristisch hoch frequentierten Checkpoint Charlie wird verstärkt wahrgenommen, auch durch die Wahl des künstlerischen Mittels des Leuchtkastens. Andere Arbeiten stehen an weniger frequentierten Orten oder sind an sich weniger auf Fernsicht angelegt. Einige Arbeiten sind heute in sehr schlechtem Zustand. Sie werden einer interessierten Öffentlichkeit nicht adäquat vermittelt, noch untereinander vernetzt dargestellt, so vermitteln die an den Arbeiten angebrachten Hinweisschilder zwar die einzelne Arbeit, eine Darstellung des Gesamtzusammenhangs fehlt jedoch an dieser Stelle. Auch ist keine eigene Publikation verfügbar. Ob die Potenziale der Arbeiten ausreichend genutzt sind, wenn ein Desinteresse der Vermittlung und ein Ausbleiben der Erhaltung besteht, ist fraglich. Dem ursprünglichen Anspruch des Wettbewerbs, neue Formen der künstlerischen Denkmalsetzung zu entwickeln, kann nur gerecht werden, wenn gleichzeitig eine angemessene Vermittlung stattfindet.


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